Blühendes Pullach

Blühstreifen im Birkenwäldchen vor dem Rathaus: im August 2019 ist noch nichts zu sehen, hoffen wir auf viele Blüten im nächsten Jahr

Die Nachricht über das Artensterben weltweit und besonders auch in Deutschland hat viel bewirkt. Das überaus erfolgreiche Volksbegehren "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" Anfang 2019 wurde zwischenzeitlich vom Bayerischen Landtag als Gesetz verabschiedet. Zielrichtung ist hier in erster Linie der Umbau der Landwirtschaft in Bayern - weg von einer zunehmend industriellen Landwirtschaft und hin zu einem naturnahen, ökologischen Landbau, der noch ausreichend Lebensraum für Fauna und Flora bietet.

Klar ist aber, dass auch die Kommunen bis hin zum privaten Gartenbesitzer zum Umdenken und Handeln gefordert sind. Nach Mitteilung der Gemeinde Pullach hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 19. März 2019 einstimmig beschlossen, verstreut über das gesamte Pullacher Gemeindegebiet circa 40.000 Quadratmeter stufenweise in bienen- und insektenfreundliche Blumenwiesen umzuwandeln. Damit soll die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren erhöht werden.

Die Gemeinde stellt dafür das Mähkonzept gemeindeeigener Wiesen um. Die Wiesen werden nur noch zwei Mal im Jahr gemäht. Außerdem wird heimisches Saatgut auf den Wiesen ausgesät:

Am Grundelberg,

beim Altenheim,

am Bahnhofsvorplatz über der Tiefgarage,

im Birkenwäldchen gegenüber dem Rathaus,

am Jakobusplatz,

an der Anton-Köck-Straße,

entlang der Wolfratshauser Straße,

beim Friedhof,

im Bereich der IEP-Zentrale und

am Wöllner Bergl.

Zunächst wurde eine externe Firma beauftragt. die Flächen zu fräsen. Denn der Boden muss für die Aussaat offen sein und die alte Grasnarbe entfernt werden. Die ersten Keimlinge erscheinen bei feuchter Witterung nach zwei bis drei Wochen. Manche hartschalige Samen keimen erst im nächsten Frühjahr aus. Im Idealfall werden bei uns in Pullach also schon in diesem Jahr einige Wildblumen blühen.

Bis sich eine Blühwiese voll entwickelt hat, dauert es meistens zwei bis drei Jahre. Gegenüber den sehr artenarmen Rasenflächen erhöht sich in diesen Blühwiesen allein die Anzahl der Wildblumen auf durchschnittlich 60, zum Teil geschützte Pflanzenarten. Diese Vielfalt bietet wiederum die Lebensgrundlage für zahlreiche Wildbienen, Schmetterlinge und Käferarten, die Nahrungsgrundlage für Amphibien, Reptilien und Vögel sind.

Die Flächen werden im ersten Jahr etwa alle sechs bis acht Wochen gemäht. Denn in den Böden der Pflanzflächen keimen oft Samen unerwünschter Beikräuter und Gräser, die meist schneller wachsen als die Wildblumen. Deshalb wird die beauftragte Fachfirma regelmäßig einen sogenannten Schröpfschnitt durchführen, um die „Konkurrenzvegetation“ kurz zu halten.

Auch in privaten Gärten in Pullach kann viel getan werden, um die Artenvielfalt zu verbessern - z.B. einige der Samentüten am Empfang im Rathaus holen und aussäen. Langfristig ist noch mehr in der Richtung geplant. Es sollen beispielsweise auch größere Mengen an Saatgut für Privatgärten bereitgestellt werden.

 


Mithilfe bei der Biotoppflege der Mähwiese am Isarkanal

Unterhalb des Bürgerhauses liegt eine große Wiese am Isarkanal (beim Brunnenhaus rings um eine große Solitär-Thuja), die im Eigentum der Gemeinde Pullach steht. Obwohl sie als Lebensraumtyp eigentlich zu den Flachland-Mähwiesen gehört, wurde sie seit längerer Zeit nicht mehr gemäht. Dementsprechend verwilderte sie zusehends. 

Der "Weisse Rabe" wurde in diesem Jahr vom Umweltamt der Gemeinde mit der Biotoppflege beauftragt, um den Blüten- und Artenreichtum zu fördern - und damit auch die Vielfalt der Kleinlebewesen und Insekten. Die Mitglieder der BN-Ortsgruppe waren eingeladen, bei der Pflegemaßnahme zu helfen.

Am Morgen des 12. April 2017 bei strahlendem Sonnenschein meldete sich also die Ortsvorsitzende mit zwei älteren Mitgliedern der Ortsgruppe, die an einem Werktag Zeit hatten, zum Dienst an der Natur. Toni, der jahrelang für den LBV tätig gewesen war und sich als Experte in der hiesigen Pflanzen- und Tierwelt herausstellte, begrüßte uns als Mitarbeiter der Firma. Mit einem Balkenmäher begann er die Wiese zu mähen und unsere Aufgabe war es, das Mähgut zusammen zu rechen und an den Wiesenrand zu transportieren, wo es dann später mit dem LKW abgeholt und zu einer Biogasanlage gebracht werden sollte. Zudem waren allerlei abgebrochene Äste und morsche Stämme beiseite zu räumen. Am Nachmittag wurde dann noch die Hecke neben dem Radweg geschnitten und das Schnittgut kam auch auf den großen Haufen.

 

 

 

Unser Einsatz am 14. Juni 2017

Am 14. Juni wurde die Pflegemaßnahme fortgesetzt - erneut mit unserer Beteiligung. Toni zeigte Elke auf einem Rundgang zunächst, welche seltenen Pflanzen er schon auf der Wiese am Isarkanal entdeckt hat. Dann ging es wieder los mit Mähen und Schnittgut abtransportieren.

 

Und noch einmal am 9. Oktober 2017

 

Im Oktober wurden wir noch einmal zur Mithilfe gerufen und (fast) alle Aktiven kamen, um erneut Toni und seinen Leuten vom "Weißen Raben" beim Rechen und Aufhäufen des Schnittgutes zu helfen: Elke und Hans-Werner, die schon bei den früheren Einsätzen in diesem Jahr dabei waren sowie neu Birgit und Gabriele. 

Mit der dritten Mahd in diesem Jahr sollte die Wiese weiter ausgemagert werden in der Hoffnung auf eine Steigerung der Artenvielfalt bei den Pflanzen und Tieren in diesem Biotop.

Gesichtet haben wir dieses Mal einen Grasfrosch, eine Erdkröte und Feldmäuse. Nun sind wir darauf gespannt, was wir im nächsten Jahr finden werden.

Einige der Pflanzen, die dort wachsen